Ein Spiegel sein für das Gegenüber
Ein Beitrag zur aufsuchenden Sozial- und Mediator*innenarbeit mit Sexarbeiter*innen.
Werden Sexarbeiter*innen gefragt, was sie sich wünschen für ihre Arbeit, äussern sie nicht selten: Mehr Gerechtigkeit und mehr Respekt. Beides kriegen sie wie alle marginalisierten und stigmatisierten Menschen in der Gesellschaft nie umsonst. Professionelle aufsuchende Sozial- und Mediator*innenarbeit weiss das und setzt genau hier an.
Bei der aufsuchenden Arbeit haben die Mitarbeiterinnen von Lysistrada viele Zufallsbegegnungen. Dabei das Vertrauen des Gegenübers sofort zu gewinnen, ist selten möglich. Ziel jedes Beziehungsaufbaus im Sexgewerbe (und sei die Begegnung noch so flüchtig) muss deshalb sein, die Sexarbeiter*innen in ihrer Lebenswelt abzuholen. Wenn sie verstehen, dass der Kontakt mit den Lysistrada-Mitarbeiterinnen nicht den üblichen ökonomischen Regeln folgt und gerade deshalb besonders wertvoll sein kann, dann können beide Seiten zu einem Spiegel für ihr Gegenüber werden. Dies ermöglicht wertvolle Einblicke in andere Realitäten.
Dieser Blick von aussen ist die beste Basis, um Inhalte vermitteln und aufnehmen zu können, sei es z. B. zu Gesundheit, Arbeitsrecht, Migration oder Sicherheit am Arbeitsplatz. Manchmal finden die Gespräche gemütlich im Wohnzimmer eines Etablissements statt, manchmal aber auch bei strömendem Regen unter einem Regenschirm am Strassenstrich – immer jedoch mit dem Vorsatz, Neugier auf den eigenen Spiegel zu wecken und einen unvoreingenommenen Blick in den Spiegel des Gegenübers werfen zu dürfen.
Nahrung fürs Gehirn
Im Jahr 2025 haben die APiS-Mitglieder der Aids-Hilfe Schweiz im Rahmen der Fachkommission «Sexarbeit» in einer Arbeitsgruppe, an welcher Lysistrada beteiligt war, neue Minimal Standards erarbeitet. Warum es diese braucht, was die APiS-Mitglieder damit bezwecken und was diese Standards beinhalten, kannst du hier nachlesen.
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