Wir leben in einer Gesellschaft, welche «korrekten» Konsum als Heilmittel für vieles, auch für Ausbeutung in Arbeitskontexten, anpreist. Dieselbe Logik scheint beim Thema Sexkaufverbot (auch «nordisches Modell» oder «Schwedenmodell») zu gelten. Ist die Kriminalisierung des «bösen» Kunden und des «bösen» Sexarbeits-Umfelds ein Heilmittel für alles, was in der Sexarbeit schiefläuft? Schauen wir das genauer an!
Das Hauptcredo des Sexkaufverbots-Modells lautet, es gebe keine selbstbestimmte Sexarbeit. Sexarbeit sei eine Menschenrechtsverletzung, deren Opfer die Sexarbeiter*innen seien. Deshalb müssten sowohl die Kunden als auch diejenigen, die von Sexarbeit profitieren, als Täter*innen betrachtet und bestraft werden. Damit geraten alle, die mit Sexarbeiter*innen zu tun haben, ins rechtliche Abseits. Das Resultat: Es darf überhaupt keinen Konsum sexueller Dienstleistungen geben.
Eher selten wird thematisiert, dass beim Sexkaufverbots-Modell Zuhälterei sehr breit definiert wird. Wer eine*r Sexarbeiter*in eine Wohnung vermietet, riskiert eine Verurteilung. Auch im selben Haushalt lebende Angehörige, die kein eigenes Einkommen haben, geraten ins Visier der Justiz. Und Beratungs- und Fachstellen dürfen keine Kondome an Sexarbeiter*innen verteilen. Dies alles bedeutet nichts Gutes. Denn wer das soziale und geschäftliche Umfeld der Sexarbeiter*innen kriminalisiert, isoliert sie, treibt sie in die Anonymität und fördert damit genau diejenigen gefährlichen Abhängigkeitsverhältnisse, welche die Sexkaufverbots-Propaganda zu bekämpfen vorgibt.
Die Lösung für Missstände muss deshalb sein: Rechte statt Verbote in der Sexarbeit!
Nahrung fürs Gehirn
Der ARTE-Dok «Wo Sexarbeiterinnen keine Rechte haben» beleuchtet den Fall von Eva-Marree Smith Kullander, bekannt als «Petite Jasmine». Der Film dokumentiert, wie das schwedische Sexkaufverbot zur Stigmatisierung führt, weshalb Sexarbeiterin «Jasmine» nach ihrem Kontakt zum Sozialamt das Sorgerecht für ihre Kinder verliert und 2013 von ihrem gewalttätigen Ex-Mann getötet wird.
Newsletter
Bleib auf dem Laufenden!
In unserem Newsletter erhältst du regelmässig Informationen zu Sexarbeit und Lysistrada.