18. Mai 2026·Newsletter

Was ist Sexarbeit?

Und wieso braucht es diesen Begriff?

Der Mai steht für Frühling – und auch für den Tag der Arbeit. Sexarbeit ist Arbeit. Das betonen Beratungsstellen für Sexarbeit immer und immer wieder. Nicht, weil es eine Arbeit wäre wie jede andere, denn keine Arbeit ist wie eine andere. Aber weil … ja, warum eigentlich? Dieser Frage gehen wir in diesem Newsletter nach.

Ein Outreach-Projekt von Sexarbeiter*innen für Sexarbeiter*innen aus Los Angeles hat eine stigmafreie Definition von Sexarbeit entwickelt. Demnach ist Sexarbeit:

Austausch von Geld oder Waren gegen sexuelle Dienstleistungen.
In den meisten Fällen umfassen diese Dienstleistungen auch emotionale Arbeit. Einvernehmliche Sexarbeit ist kein Menschenhandel.

Ein Kontinuum.
Von einvernehmlicher über situationsbedingte bis hin zu erzwungener Sexarbeit: Die meisten Sexarbeiter*innen haben sich im Laufe ihrer Karriere entlang dieses Kontinuums bewegt.

Eine Menschenrechtsfrage.
LGBTQ- und als PoC gelesene Personen sind in der Sexarbeit überproportional vertreten. Sie sind von (Polizei-)Gewalt und Kriminalisierung besonders betroffen. Sexarbeit ist ein intersektionales Thema.

Arbeit.
Genau wie Fussballspieler*innen und Therapeut*innen setzen Sexarbeiter*innen eine Kombination aus körperlicher und emotionaler Präsenz ein, um der Bevölkerung eine Dienstleistung anzubieten. Cam-Girls, Stripper*innen, Pornodarsteller*innen, Dominas und Sexarbeiter*innen mit umfassendem Service sind Arbeiter*innen und verdienen Sicherheit und Respekt.

Wie gesagt ist Sexarbeit keine Arbeit wie jede andere, aber ein Arbeitsmarkt unter vielen. Und wie in vielen Arbeitsmärkten werden auch hier vielen Arbeitskräften ihre Rechte vorenthalten. Um sich gegen solches Unrecht wehren zu können, ist die Anerkennung der Tätigkeit als Arbeit Grundvoraussetzung. Kurz gesagt: Fehlt der Arbeitsbegriff und fehlt die rechtliche Anerkennung, dann haben Sexarbeiter*innen keine Arbeitsrechte. Deshalb waren sie auch schon immer Teil von sozialen Bewegungen und haben diese aktiv mitgestaltet. Und darum gingen auch an diesem 1. Mai – dem Tag der Arbeit – Sexarbeiter*innen rund um den Globus auf die Strasse, denn Only rights can stop the wrongs!

Nahrung fürs Gehirn

Gerne möchten wir dir den SRF-Dok vom Januar 2026 ans Herz legen: «Selbstbestimmung oder Zwang? Vier Frauen erzählen über Sexarbeit und Prostitution» von Elvira Stadelmann. Zwischen den Extremen selbstbestimmte Sexarbeit und Menschenhandel liegt ein Geflecht aus ökonomischen Zwängen, gesellschaftlichen Normen und individuellen Entscheidungen.

Darüber hinaus: Die Historikerin Sarah Baumann hat für ihre Dissertation Prekäre Liberalisierung – Sexuelle Arbeit von Frauen in der Schweiz (1950–1990) den Joseph-Vigener-Preis erhalten. Wir gratulieren herzlich!

Bunt bemaltes Kartonschild an einer Demonstration: «Fuck Patriarchy … but not for free!»
Buch Cover "Prekäre Liberalisierung"

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In unserem Newsletter erhältst du regelmässig Informationen zu Sexarbeit und Lysistrada.